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Akute Unterernährung in Afghanistan erreicht nach Kürzungen ausländischer Hilfe beispiellose Höchststände

Geprüft von James Caldwell · 4 Min. Lesezeit
Akute Unterernährung in Afghanistan erreicht nach Kürzungen ausländischer Hilfe beispiellose Höchststände
Sven Dirks, Wien · CC BY-SA 3.0 · Quelle
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Im Oktober 2026 berichteten internationale Hilfsorganisationen, darunter das Welternährungsprogramm, UNICEF, Save the Children und Aktion gegen den Hunger, dass die akute Unterernährung in Afghanistan ein beispielloses Ausmaß erreicht hat. Sie warnten, dass im Jahr 2027 über vier Millionen Kinder unter fünf Jahren lebensrettende Behandlungen benötigen werden. Der globale Hunger-Monitor Integrated Food Security Phase Classification veröffentlichte Daten, die darauf hindeuten, dass drastische Kürzungen der internationalen humanitären Hilfe das Land in einen schweren Gesundheitsnotstand gestürzt haben.

Nach Angaben des Welternährungsprogramms ist dessen Finanzierung in Afghanistan auf nur noch 12 % des Niveaus von 2022 gesunken, was Kliniken dazu zwingt, sechs von sieben akut unterernährten Frauen und Kindern abzuweisen. Schätzungsweise 19,2 Millionen Menschen – fast 40 % der Bevölkerung – werden voraussichtlich während der mageren Wintersaison von November 2026 bis April 2027 mit einem hohen Maß an akuter Ernährungsunsicherheit konfrontiert sein. Im Jahr 2027 wird erwartet, dass die Fälle von schwerer akuter Unterernährung bei Kindern unter fünf Jahren um 16 % auf fast 1,09 Millionen ansteigen, während 1,3 Millionen schwangere und stillende Mütter ebenfalls an Unterernährung leiden werden. Kritische Unterernährungsraten werden voraussichtlich auf 14 der 34 Provinzen Afghanistans übergreifen und Regionen wie Helmand, Badachschan, Badghis, Daikundi, Ghor, Samangan und Sar-e-Pul schwer treffen.

Im Indira Gandhi Institute of Child Health in Kabul, dem wichtigsten Kinderkrankenhaus des Landes, ist die Station für Unterernährung mit 20 Betten dauerhaft überbelegt. Der Leiter der Inneren Medizin, Dr. Mohammad Arif Hassanzai, stellte fest, dass begrenzte Finanzmittel eine Erweiterung der Kapazitäten zur Aufnahme Dutzender weiterer schwerer Fälle verhindern. Familien in ganz Afghanistan haben Schwierigkeiten, sich Grundnahrungsmittel zu leisten, deren Preise um 10 % bis 30 % gestiegen sind, während Tagelöhnerlöhne von 3 bis 4,60 $ pro Tag nicht mit den explodierenden Lebenshaltungskosten Schritt halten können.

Die sich verschärfende Krise resultiert aus einer Kombination von Faktoren, darunter die abrupte Einstellung der direkten Auslandshilfe nach der Machtübernahme der Taliban im Jahr 2021, jüngste Stopps der US-Hilfen, eine einjährige Grenzschließung zu Pakistan, die wichtige Handelsrouten unterbrach, sowie die erzwungene Rückkehr von über fünf Millionen afghanischen Flüchtlingen aus dem Iran und Pakistan seit 2023. Als Reaktion darauf warnte Save the Children, dass 40 seiner Gesundheitseinrichtungen aufgrund von Finanzierungslücken vor der sofortigen Schließung stehen, während die Organisation gleichzeitig eine globale Initiative namens Nourished Futures in Höhe von 300 Millionen $ startete, um das systemische Defizit anzugehen.

Zentrale Entwicklungen

  • Laut IPC-Analyse werden im Jahr 2027 schätzungsweise 4,04 Millionen Kinder unter fünf Jahren in Afghanistan eine Behandlung gegen akute Mangelernährung benötigen.
  • Die Finanzierung des Welternährungsprogramms in Afghanistan ist auf 12 % des Niveaus von 2022 gesunken, was Kliniken dazu zwingt, sechs von sieben unterernährten Frauen und Kindern abzuweisen.
  • Die Fälle von schwerer akuter Mangelernährung bei afghanischen Kindern werden für 2027 voraussichtlich um 16 % auf fast 1,09 Millionen ansteigen.
  • Es wird erwartet, dass etwa 19,2 Millionen Afghanen während der winterlichen Mangelzeit von November 2026 bis April 2027 eine hohe akute Ernährungsunsicherheit erleben werden.
  • Kritische Ausmaße der Mangelernährung werden voraussichtlich 14 der 34 Provinzen Afghanistans im Jahr 2027 betreffen, gegenüber sieben im Jahr 2025.
  • Save the Children warnte, dass 40 seiner Gesundheitseinrichtungen und mobilen Kliniken in Afghanistan aufgrund massiver Finanzierungskürzungen vor dem Aus stehen.

Hintergrund

Die humanitäre Lage in Afghanistan wurde durch vier Jahrzehnte Konflikt, chronische Armut und wiederkehrende Klimaschocks, darunter lang anhaltende Dürren, zerstörerische Überschwemmungen und Erdbeben, schwer destabilisiert. Nach dem Abzug der von den USA geführten Koalitionstruppen und der Rückkehr der Taliban an die Macht im August 2021 destabilisierte die sofortige Einstellung der direkten internationalen Entwicklungshilfe die nationale Wirtschaft und entzog dem Gesundheitssektor wesentliche finanzielle Subventionen.

Die wirtschaftliche Anfälligkeit afghanischer Haushalte wurde durch jüngste geopolitische und regionale Spannungen weiter verschärft. Einjährige Grenzschließungen zu Pakistan haben kritische Handelswege unterbrochen und den Zufluss essenzieller Ernährungsprodukte gestört. Gleichzeitig hat die erzwungene Rückführung von über fünf Millionen afghanischen Flüchtlingen aus den Nachbarländern Iran und Pakistan seit 2023 die bereits erschöpfte öffentliche Infrastruktur, die Lebensmittelversorgung und die gemeinschaftlichen Ressourcen schwer belastet. In Verbindung mit weltweit steigenden Lebensmittelpreisen haben diese Faktoren dazu geführt, dass Millionen von Familien keinen Zugang mehr zu ihrer täglichen Grundversorgung haben.

Zeitachse

  1. Die Taliban übernehmen die Macht in Afghanistan nach dem Abzug der US-Streitkräfte, was zu einer sofortigen Aussetzung der direkten ausländischen Entwicklungshilfe führt.

  2. Benachbarte Länder beschleunigen die zwangsweise Rückführung von afghanischen Flüchtlingen, wodurch letztlich über fünf Millionen Menschen zurückgeschickt werden.

  3. Die Integrated Food Security Phase Classification veröffentlicht eine Analyse, die prognostiziert, dass über vier Millionen afghanische Kinder im Jahr 2027 eine Behandlung gegen akute Mangelernährung benötigen werden.

  4. Save the Children warnt, dass 40 seiner afghanischen Gesundheitseinrichtungen aufgrund schwerer globaler Finanzierungslücken vom Risiko einer Schließung bedroht sind.

  5. Die winterliche Mangelzeit beginnt, wodurch schätzungsweise 19,2 Millionen Afghanen ein hohes Maß an akuter Ernährungsunsicherheit ausgesetzt sind.

Perspektiven

World Food Program

Verurteilt die internationale Gleichgültigkeit gegenüber den Kürzungen der Finanzmittel, die die Organisation dazu zwingen, sechs von sieben unterernährten Frauen und Kindern, die lebensrettende Nahrungsmittelhilfe suchen, abzuweisen.

Indira Gandhi Institute of Child Health

Fordert ausländische Geber nachdrücklich auf, die Finanzierung des Gesundheitswesens von politischen Erwägungen im Zusammenhang mit der Taliban-Regierung zu trennen, damit Krankenhäuser ihre Kapazitäten für hungernde Kinder erweitern können.

Save the Children

Ruft internationale Regierungen und Geber auf, die Finanzierung unverzüglich wiederherzustellen, um wesentliche Gesundheitsdienste zu schützen und eine weitverbreitete Sterblichkeit im Winter zu verhindern.

Zitate

“More people are suffering from hunger than ever before... Acute malnutrition is at unprecedented levels already.”

Übersetzung: “„Mehr Menschen leiden unter Hunger als jemals zuvor... Die akute Mangelernährung hat bereits ein beispielloses Ausmaß erreicht.“”

— John Aylieff, Landesdirektor des World Food Program in Afghanistan zur Beschreibung der Schwere der Hungerkrise.

“We are forced to turn away six out of seven acutely malnourished women and children from those health clinics because we simply do not have the food to give them to save their child's life.”

Übersetzung: “„Wir sind gezwungen, sechs von sieben akut mangelernährten Frauen und Kindern in diesen Gesundheitskliniken abzuweisen, weil wir schlicht nicht über die Nahrungsmittel verfügen, die wir ihnen geben müssten, um das Leben ihres Kindes zu retten.“”

— John Aylieff, Erklärung der operativen Auswirkungen internationaler Mittelkürzungen auf die Nahrungsmittelhilfe des WFP.

“Must the politics unfolding in Afghanistan inevitably impact patients, causing them to suffer from malnutrition and even die? Healthcare should always remain separate from politics.”

Übersetzung: “„Muss sich die politische Entwicklung in Afghanistan zwangsläufig auf Patienten auswirken und dazu führen, dass sie an Mangelernährung leiden und sogar sterben? Die Gesundheitsversorgung sollte immer von der Politik getrennt bleiben.“”

— Dr. Mohammad Arif Hassanzai, Leiter der Inneren Medizin am Indira Gandhi Institute of Child Health mit einem Appell, humanitäre Hilfe von politischen Streitigkeiten zu entkoppeln.

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