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Ägypten überstellt Mada Masr-Redakteurin Lina Attalah wegen Lizenzvorwürfen vor Gericht

Geprüft von Sarah Mitchell · 5 Min. Lesezeit
Ägypten überstellt Mada Masr-Redakteurin Lina Attalah wegen Lizenzvorwürfen vor Gericht
International Journalism Festival · CC BY-SA 2.0 · Quelle
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Am 22. Oktober 2026 überstellten ägyptische Staatsanwälte Lina Attalah, Chefredakteurin und Mitgründerin der unabhängigen Nachrichtenwebsite Mada Masr, in Kairo vor Gericht, unter dem Vorwurf, eine Website ohne Lizenz gegründet, verwaltet und betrieben zu haben. Die Überstellung erfolgte nach einem Verhör durch die Staatsanwaltschaft für höchste staatliche Sicherheit am 21. Oktober 2026, bei dem Attalah zu Mada Masrs Berichterstattung über Gefängnisproteste und Verstöße gegen Häftlinge befragt wurde, sowie zum rechtlichen Lizenzstatus des Mediums. Sie wurde zunächst gegen eine Kaution von 100.000 ägyptischen Pfund freigelassen, bevor sie über ihr Prozessdatum, das für den 27. Oktober 2026 angesetzt ist, informiert wurde.

Der Fall, registriert als Fall Nr. 9072 von 2026, sieht potenzielle Geldstrafen zwischen 1 Million und 3 Millionen ägyptischen Pfund vor, die bei wiederholten Verstößen verdoppelt werden könnten, zusammen mit der Drohung einer gerichtlich angeordneten dauerhaften Schließung von Mada Masr. Während Democracy Now! und Erklärungen der Zivilgesellschaft berichteten, dass das Verhör am 21. Oktober über sechs Stunden dauerte, vermerkte die Berichterstattung von The New Arab eine Sitzung von etwa drei Stunden im Hauptquartier der Staatsanwaltschaft in Neu-Kairo. Das Verfahren markiert die sechste strafrechtliche Untersuchung, die innerhalb von sechs Jahren gegen Attalah und Mada Masr eingeleitet wurde. Vorherige Maßnahmen inkludierten ihre Verhaftung im Mai 2020 vor dem Tora-Gefängnis und ein Verhör im August 2025 über die Berichterstattung über die Bedingungen im Badr-3-Gefängnis, was zu einer Kaution von 30.000 ägyptischen Pfund führte.

Die Überstellung vor Gericht erfolgte kurz nachdem Mada Masr sich am 19. Oktober 2026 sieben unabhängigen arabischen Nachrichtenorganisationen angeschlossen hatte, um eine Solidaritäts-Flash-Redaktion zu gründen, nachdem Ende September 2026 die gesamte sechs-köpfige Redaktion der investigativen Plattform Matsadaash verhaftet worden war. Die inhaftierten Matsadaash-Journalisten befinden sich weiterhin in Untersuchungshaft, unter dem Vorwurf, einer terroristischen Gruppe beigetreten zu sein und falsche Nachrichten zu veröffentlichen, wobei mehrere von ihnen Schläge, Elektroschocks und das Verbinden der Augen berichteten. Als Reaktion auf die Überstellung von Attalah vor Gericht gaben mehr als 90 internationale Menschenrechts- und Medienorganisationen, darunter Amnesty International, Human Rights Watch und das Committee to Protect Journalists, eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie ein sofortiges Ende ihrer Strafverfolgung forderten. Nancy Okail, Präsidentin des Center for International Policy, verurteilte den Schritt als einen bewussten Versuch, unabhängige Berichterstattung unter administrativen Vorwänden zum Schweigen zu bringen, und stellte die Strafverfolgung in Kontrast zu der öffentlichen Aussage von Präsident Abdelfattah al-Sisi beim Egypt Forum 2026, in der er behauptete, die Regierung akzeptiere Kritik.

Zentrale Entwicklungen

  • Ägyptische Behörden haben die Chefredakteurin von Mada Masr, Lina Attalah, am 22. Oktober 2026 wegen des Betreibens einer Website ohne Lizenz vor Gericht verwiesen.
  • Die Verweisung an das Gericht folgte auf ein langes Verhör durch die Oberste Staatssicherheitsstaatsanwaltschaft bezüglich der Berichterstattung von Mada Masr über Gefängnisproteste.
  • Attalah wurde gegen eine Kaution von 100.000 ägyptischen Pfund vor ihrer für den 27. Oktober 2026 angesetzten Verhandlung freigelassen.
  • Die rechtlichen Vorwürfe sehen Geldstrafen von bis zu 3 Millionen ägyptischen Pfund vor und drohen mit der dauerhaften gerichtlichen Schließung von Mada Masr.
  • Über 90 globale zivilgesellschaftliche Organisationen unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung, in der sie von den ägyptischen Behörden fordern, die Strafverfolgung von Attalah einzustellen und die Pressefreiheit wiederherzustellen.
  • Die Verweisung folgt auf die Festnahme von sechs Journalisten der Rechercheplattform Matsadaash im späten September 2026, die nach Antiterrorgesetzen weiterhin in Untersuchungshaft sitzen.

Hintergrund

Unabhängige Medien in Ägypten sehen sich systematischen regulatorischen Hürden und staatlicher Aufsicht unter restriktiven Pressegesetzen gegenüber. Nach der Ratifizierung des Gesetzes Nr. 180 von 2018 zur Regulierung der Presse, der Medien und des Obersten Rates für Medienregulierung, reichte Mada Masr in den Jahren 2018, 2020 und 2023 formelle Anträge auf eine Betriebslizenz ein. Die Behörden reagierten wiederholt nicht, bis 2022, als Mada Masr während eines Verhörs durch die Staatsanwaltschaft erfuhr, dass der Oberste Rat für Medienregulierung den Antrag ohne schriftliche Mitteilung oder offizielle Begründung abgelehnt hatte, was das Medium dazu veranlasste, die Entscheidung gerichtlich anzufechten.

Der staatliche Druck auf Journalisten hat sich in ganz Ägypten intensiviert, das im World Press Freedom Index 2026 von Reporter ohne Grenzen auf Platz 169 von 180 Ländern rangiert. Mindestens 18 Journalisten befinden sich weiterhin im Land inhaftiert, während die Behörden digitale Sperren gegen hunderte von Nachrichten- und Zivilgesellschafts-Websites, einschließlich Mada Masr, aufrechterhalten. Die Überstellung von Lina Attalah vor Gericht stellt das sechste strafrechtliche Verfahren ein, das innerhalb von sechs Jahren gegen Mada Masr eingeleitet wurde, nachdem vorherige Verhaftungen und Verhöre im Zusammenhang mit kritischer Berichterstattung über Gefängnisbedingungen und politische Inhaftierungen erfolgt waren.

Zeitachse

  1. Mada Masr reicht den ersten Antrag auf Betriebsgenehmigung gemäß Gesetz Nr. 180 von 2018 ein.

  2. Ägyptische Behörden nehmen Lina Attalah vor dem Tora-Gefängnis fest, bevor sie nach sieben Stunden gegen Kaution freigelassen wird.

  3. Die Staatsanwaltschaft vernimmt Attalah zu einem Artikel über die Haftbedingungen im Badr-3-Gefängnis und entlässt sie gegen eine Kaution von 30.000 Ägyptischen Pfund.

  4. Ägyptische Behörden nehmen die sechsköpfige Redaktion der investigativen Medienplattform Matsadaash fest.

  5. Journalisten beginnen einen Sitzstreik im Journalisten-Syndikat in Kairo, um gegen die Inhaftierung der Matsadaash-Redaktion zu protestieren.

  6. Mada Masr schließt sich einer Solidaritäts-Nachrichtenredaktion für Matsadaash an, und Attalah erhält eine Vorladung der Staatsanwaltschaft im Fall Nr. 9072 von 2026.

  7. Die oberste Staatssicherheitsstaatsanwaltschaft vernimmt Attalah mehrere Stunden lang, bevor sie sie gegen eine Kaution von 100.000 Ägyptischen Pfund freilässt.

  8. Attalah wird offiziell wegen des Betriebs einer Website ohne Lizenz vor Gericht gestellt.

  9. Mehr als 90 internationale zivilgesellschaftliche Organisationen veröffentlichen einen gemeinsamen Aufruf zur Einstellung des Strafverfahrens gegen Attalah.

  10. Die erste Verhandlung gegen Lina Attalah ist für Kairo angesetzt.

Perspektiven

Egyptian Supreme State Security Prosecution

Leitet ein Strafverfahren gegen Lina Attalah ein, da sie eine nicht lizensierte Website betrieben und angeblich falsche Nachrichten veröffentlicht habe, die den öffentlichen Frieden stören.

Center for International Policy and Signatory Civil Society Groups

Verurteilt die Anweisung zur Verhandlung als politisch motivierten Angriff, der darauf abzielt, die verbleibenden unabhängigen Medien in Ägypten zu schließen, und fordert die sofortige Einstellung aller Anklagepunkte.

Amnesty International

Verurteilt die anhaltende gerichtliche Schikane der Mitarbeiter von Mada Masr und fordert die sofortige Freilassung aller willkürlich inhaftierten ägyptischen Journalisten.

Zitate

“Lina is a friend and a fellow staunch advocate of press freedom and democracy. I am deeply and personally concerned for her and her colleagues. I faced prosecution in Egypt under the pretext of licensing violations, too. I recognize the political purpose behind the bureaucratic language: to silence independent voices and criminalize their work.”

Übersetzung: “Lina ist eine Freundin und eine glühende Mitstreiterin für Pressefreiheit und Demokratie. Ich bin zutiefst und persönlich besorgt um sie und ihre Kolleginnen und Kollegen. Auch ich war in Ägypten unter dem Vorwand von Lizenzverstößen mit Strafverfolgung konfrontiert. Ich erkenne den politischen Zweck hinter dieser bürokratischen Sprache: unabhängige Stimmen zum Schweigen zu bringen und ihre Arbeit zu kriminalisieren.”

— Nancy Okail, Präsident und Geschäftsführer des Center for International Policy zur Verweisung von Lina Attalah an ein Gericht.

“It is utterly disgraceful that the Egyptian authorities are once again targeting Lina Attalah for the brave and professional reporting by her team at Mada Masr. This is the sixth case against Mada Masr and its journalists in six years, illustrating the Egyptian authorities' relentless harassment of independent journalists who challenge the state-controlled narrative.”

Übersetzung: “Es ist absolut beschämend, dass die ägyptischen Behörden Lina Attalah erneut ins Visier nehmen – wegen der mutigen und professionellen Berichterstattung ihres Teams bei Mada Masr. Dies ist der sechste Fall gegen Mada Masr und seine Journalistinnen und Journalisten in sechs Jahren, was die unablässige Schikanierung unabhängiger Journalistinnen und Journalisten durch die ägyptischen Behörden verdeutlicht, die das staatlich kontrollierte Narrativ hinterfragen.”

— Yasmine Ahmed, Leitende Direktorin für regionale Wirkung bei Amnesty International als Reaktion auf das neue Strafverfahren gegen Lina Attalah.

“listens, discusses, and accepts any criticism”

Übersetzung: “hört zu, diskutiert und nimmt jede Kritik an”

— Abdelfattah al-Sisi, Der ägyptische Präsident auf der Konferenz Egypt Forum 2026 am selben Tag, an dem die Staatsanwaltschaft Lina Attalah vorlud.

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